Alles andere als Provinz - Die Pannon Philharmoniker Pécs
Dass die Ungarn ihr kleines Land häufig in die Hauptstadt Budapest und die Provinz aufteilen, dürfte Ungarnkennern inzwischen hinlänglich bekannt sein.
Unverständlich bleibt manchem Ausländer allerdings, warum die so benannten Provinzler sich das oft widerspruchslos gefallen lassen, zumal diese Einteilung nicht nur eine geographische ist.Anders ist das bei den Pannon Philharmonikern Pécs. Sie gelten als das derzeit beste Sinfonieorchester der Provinz. Doch sie möchten eines der bedeutendsten Sinfonieorchester Ungarns sein.
1811 hatte der Österreicher Johann Georg Lickl, Haydn-Schüler und Domkapellmeister in Pécs, gemeinsam mit 13 weiteren Dommusikern die „Tonkünstler Sozietät“ gegründet und damit den Grundstein für die inzwischen 194-jährige Geschichte des Sinfonieorchesters in Pécs gelegt.
Als selbstständige Institution ist das Orchester allerdings noch relativ jung. Erst 1984 gründete der Dirigent Tamás Breitner das Pécser Sinfonieorchester mit der Stadt Pécs als Träger. Bis dahin gab die Sinfoniker in Form eines Vereins. 1989 übernahm mit dem Engländer Howard Williams erstmals ein westeuropäischer Dirigent die Leitung der Sinfoniker. Ihm folgte 1993 der Uruguayer Nicolás Pasquet, bevor 1997 erneut Howard Williams den Posten des leitenden Dirigenten einnahm.
Seit 2000 ist der Liszt-Preisträger Zsolt Hamar Musikdirektor und leitender Dirigent, und 2003 übernahm Zsolt Horváth die Funktion des Direktors von seinem Vorgänger Péter Szkladányi, der 18 Jahre lang an der Spitze der Sinfoniker gestanden hatte. Mit diesem Wechsel begann eine neue Ära in der langen Geschichte des Pécser Orchesters, die auch durch den neuen Namen „Pannon Philharmoniker“ demonstriert werden sollte.
„Wir begannen vor drei Jahren mit einer grundsätzlichen Umstrukturierung des Orchesters. Es war und ist unser Ziel, die künstlerische Arbeit zu erneuern.“ erklärt Zsolt Horváth. „Unsere Arbeit muss stark qualitätsorientiert sein. Seit etwa Mitte der 90-er Jahre gibt es einen Trend in der Kultur, dem auch wir uns nicht entziehen können.“ Da für Kultur immer weniger Geld zur Verfügung stünde, so Horváth, müssten sich Kulturinstitutionen stärker mit der Frage auseinandersetzen, wie sie ihre Kunst auch an den Mann bringen könnten.
Kunst als Produkt – dass dies nicht auf Kosten des künstlerischen Wertes geschehen darf, ist für Horváth selbstverständlich, aber auch, dass grundsätzliche Veränderungen dringend notwendig sind. „15 Jahre nach der Wende kommt es nun endlich auch zur Wende in der Kultur.“ meint er.
Dass dieses Konzept aufgeht, beweisen die Ergebnisse der letzten drei Jahre. Die Pannon Philharmoniker sind inzwischen weit über die Grenzen Pécs und Ungarns hinaus bekannt und anerkannt. Immer wieder führen sie Gastspiele ins Ausland. Neben regelmäßigen Konzerten in Kaposvár und Szekszárd haben sie seit 2003 auch eine eigene Konzertreihe in Budapest. Seit 2004 sind sie im Nationalen Konzertsaal des Palastes der Künste zu hören. Die vier Konzerte der Saison 2005/2006 sind Béla Bartok gewidmet, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 125. Mal jährt. Die Konzertreihe unter dem Motto „Anziehung und Veränderung“ ist übrigens ausverkauft.
Aber auch die Liste der Gastdirigenten und Gastsolisten ist beachtlich. Allein in dieser Saison konnten Kapazitäten wie Zoltán Kocsis, Alpaslan Ertüngealp, Will Humburg oder Reinhold Friedrich verpflichtet werden „Wir versuchen vor allem Dirigenten und Solisten nach Pécs zu holen, die im Übrigen nur selten in Ungarn zu hören oder zu sehen sind.“ sagt Zsolt Horváth.
Auch für die nächsten Jahre haben sich Horváth und Hamar viel vorgenommen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei natürlich die Tatsache, dass Pécs 2010 Kulturhauptstadt Europas wird. Die Jahre 2006 bis 2009 sollen der Vorbereitung dieses Ereignisses dienen, und so steht jedes Jahr unter einem anderen Leitgedanken. 2007 wird das Jahr der Lehre und Bildung. Dann nämlich jährt sich der Landeskongress zur freien Lehre aus dem Jahre 1907 zum hundertsten Mal. Auf diesem Kongress hatte die Elite der ungarischen Intellektuellen ihre Rolle und ihre Aufgaben für das 20. Jahrhundert diskutiert und in einem Programm festgelegt.
Zwar ist noch nicht sicher, welche Dirigenten und Solisten in der nächsten Saison gemeinsam mit den Philharmonikern auftreten sollen, die Verhandlungen laufen noch, aber das Thema Lehre und Bildung wird auch bestimmend für die Konzertsaison 2006/2007 sein. „Wir möchten z. B. Musikschulen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen. Aber auch der Einfluss bestimmter musikalischer Schulen, wie z. B. der Wiener Schule soll Thema unserer Konzerte sein.“ erzählt Zsolt Horváth. Außerdem möchte er auch die zeitgenössische ungarische Musik ins Programm aufnehmen. So sollen Werke von György Ligeti und György Kurtag aufgeführt werden. „Ich habe festgestellt“, so Horváth, „dass die Pécser Philharmoniker noch nie ein Stück von Kurtag gespielt haben. Das muss man ändern“ Der Direktor der Pannon Philharmoniker hat aber nicht nur musikalische Pläne. So soll 2007 in Pécs eine internationale Konferenz zum Thema Musikunterricht, Musikerziehung stattfinden. Das ist ein Gebiet, auf dem die Ungarn auf eine große Tradition verweisen können. 2007 wird übrigens auch ein Kodály-Jahr, da sich dann der Geburtstag des großen ungarischen Komponisten und Musikpädagogen zum 125. Mal und sein Todestag zum 40. Mal jähren.
Ein erhebliches Problem gilt es allerdings bis zum Kulturstadtjahr 2010 zu lösen – Pécs ist wohl die einzige Stadt Ungarns, die zwar über ein hervorragendes Sinfonieorchester verfügt, nicht aber über einen Konzertsaal. Die Konzerte finden in der Regel in der Aula der Medizinischen Fakultät der Universität Pécs statt, einem Ort, der weder von seiner Akustik noch von seinem Ambiente her besonders gut als Konzertsaal geeignet ist. Das mag vielleicht auch der Grund dafür sein, dass zahlreiche Musikliebhaber aus Pécs die dreistündige Autofahrt nach Budapest auf sich nehmen, um dort die Philharmoniker ihrer Heimatstadt zu hören. Pläne für den Bau einer Konzerthalle gibt es schon seit langem, warum sie nie verwirklicht wurden ist unbegreiflich. Große Hoffnungen und Erwartungen setzt man jetzt auf das Kulturstadtjahr. Eine Kulturhauptstadt Europas ohne Konzertsaal ist eben doch nur schwer vorstellbar.
Pécs möchte 2010 auch Zentrum des musikalischen Lebens der Region werden. Dabei denkt man nicht nur in ungarischen Relationen. Die multikulturelle Stadt Pécs begreift sich als Tor zum Balkan, als Brücke zwischen Ost und West. Ein Publikumsmagnet für Besucher aus Osijek, Ljubljana oder Triest sollen dann auch die Pannon Philharmoniker sein – mit ihrer eigenen Konzerthalle versteht sich.
Die Pannon Philharmoniker Pécs sind alles andere als ein Provinzorchester. Sein Ziel, eines der bedeutendsten Sinfonieorchester Ungarns zu sein, sieht Zsolt Horváth erreicht. Neben dem Budapester Festivalorchester und der Nationalphilharmonie sind die Pannon Philharmoniker heute das wichtigste Orchester Ungarns. Natürlich ruhen sie sich nicht auf diesen Lorbeeren aus. Wäre es nicht eine schöne Vorstellung, dass die Budapester sich eines Tages, nur um ein Konzert der Pannon Philharmoniker zu hören, auf den Weg nach Pécs machen - in die Provinz sozusagen?
Übrigens. Für einen unerfahrenen Konzertbesucher mag das Klatschverhalten der Ungarn zunächst etwas ungewöhnlich erscheinen. Schon nach kurzer Zeit geht das unkontrollierte Klatschen in ein rhythmisches über – unabhängig von der Qualität der Vorstellung. Ist das Publikum besonders zufrieden, äußert es das vor allem durch die Lautstärke und die Länge des Beifalls. Da sich dabei der Rhythmus beständig ändert, ist man (natürlich vergeblich) versucht, den unsichtbaren Dirigenten ausfindig zu machen, der den Takt angibt. Mir ist es bis heute schleierhaft, welche Dynamik hier wirkt.
(Anette Klingenberg)"und plötzlich verstehen wir, warum so viele Menschen in letzter Zeit die Pannon Philharmoniker mögen"
(Miklós Fáy, Népszabadság)
"das Orchester folgt mit unheimlicher Präzision den unvorstellbarsten Tempo-Veränderungen, hier können Musizieren und Virtuosität nicht mehr voneinander getrennt werden"
(Gergely Fazekas, Népszabadság)
"Die Pannon Philharmoniker haben wieder einmal bewiesen: das Ensemble ist nicht nur im Vergleich zu Irgendetwas oder Irgendjemandem gut, sondern es ist es auch absolut gemessen. Das ist ein gutes Gefühl, und so kann es leicht geschehen, dass 2010 die Pannon Philharmoniker im europaweiten Vergleich nicht die Überraschung, sondern die Hauptdarsteller werden"
(Gábor Mesterházi, ECHO)
"Bei unserem Treffen in Budapest erzählte mir Maxim Vengerov, wie gut ihm Pécs gefallen habe, wo er am Tag vor dem Konzert mit den Pannon Philharmonikern und Zsolt Hamar geprobt hat. Er hat sie aufrichtig gelobt. Dass dies nicht nur aus Höflichkeit geschah, ist am besten dadurch zu belegen, dass für die beiden Zugaben des Konzertes in Budapest einer der weltbekanntesten Künstler keine Soli wählte, sondern beide mit Orchesterbegleitung gab. Wir müssen noch anfügen, dass er bei der zweiten Zugabe fast durchgehend improvisierte, das Orchester aber bis zum Ende vollständig im Einklang mit ihm war."
(Fidelio)
"Die beiden führenden Symphonieorchester aus Budapest, die Nationalen Philharmoniker und das Festivalorchester habe ich auch früher schon hoch angesehen, von den Pannon Philharmonikern hatte ich aber bisher nichts gehört. Jetzt konnte ich mich aber davon überzeugen, dass dies auch international gesehen ein erstklassiges Orchester ist, und ich freue mich aufrichtig, dass 2010 Pécs eine der europäischen Kulturhauptstädte wird, und dafür auch ein neuer Konzertsaal in der Stadt entsteht. Dies ist sicher eine echte Möglichkeit zur weiteren Entwicklung des Orchesters."
(Maxim Vengerov Magyar Hírlap)
“Das beste Orchester außerhalb der Hauptstadt“ (Zoltán Kocsis, Dunántúli Napló
(Transdanubische Tageszeitung)
„Das Konzert zeigt, dass das Orchester aus Pécs seinen „ländlichen Charakter“ vollständig abgelegt hat und ebenso sein Leiter den Titel des „jungen Talents“. Gerade deshalb muss man sie sehr ernst nehmen!"
Gábor Szilágyi (CafeMomus)
„Das Orchester spielt sehr schön, die Klaviere klingen in allen Sätzen wunderbar“
Attila Deák (Papirusz, über das Mahler-Album)
„Wir hören ein Orchester mit Schwung musizieren, der Zuhörer würde sich am liebsten in der Musik verlieren“
(Katalin Fittler, Zenekar, (Orchester) - über das Bartók-Album)
„Im Orchester sitzen offensichtlich ausgezeichnete Musiker und Hamar leitet sie mit sicherer Hand, viel Souveränität und musikalischem Elan“
(Bosiljka Periæ Kempf Muska (Kroatien) über das Bartók-Album)
„Die Symbiose zwischen Klarinette und ersten Geigen hat samtige, kernige Töne ins Leben gerufen. Der schwere Einsatz der Holzbläser im zweiten Satz erklang kristallklar“
(Fruzsina Szuromi, Fidelio, über das Werk Nobilissima Visione von Hindemith, welches beim Álom
(Traum) Konzert vorgetragen wurde)
„Wenn man die Aufnahme des Orchesters aus Pécs einzeln zwischen vielen anderen betrachtet, kann man versichern, dass die Platte sehr wohl ihren Platz beanspruchen kann. Die Klang-Qualität ist tadellos, die einzelnen Sätze sind gut aufgebaut und eindrucksvoll“
Gábor Szilágyi (CafeMomus, über das Mahler-Album)
„Zsolt Hamar und sein vielversprechendes Orchester haben eine lobenswerte Leistung erbracht“
Balázs Zay (Gramofon, über das Mahler-Album)
„Wir konnten wunderschöne Soli hören, die sich in den Gesamtklang harmonisch eingefügt haben“
Katalin Fittler Zenekar (Orchester) über das Álom (Traum) Konzert)
„Das mit dem Titel „Wahrheit“ annoncierte Programm erklang in fast märchenhaft-idealer Ausarbeitung. (...) Eine große Aufgabe, die Standhaftigkeit von allen Vortragenden verlangt. Dieses Mal hatten die Musiker aus Pécs die Möglichkeit, wirklich ihr Bestes zu geben, und sie haben es auch getan.“
Katalin Fittler, Zenekar, (Orchester) – über das Valóság (Wahrheit) Konzert)
„Warten wir bis zum Schluss. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut und ein Symphonieorchester aufzubauen ist eine weit schwierigere Aufgabe.“
Miklós Fáy (Népszabadság, im Zusammenhang mit dem Víz (Wasser) Konzert)
„Dieses Orchester kann nicht nur eines der Ersten in der Region, sondern in ganz Ungarn werden“
Gábor Mesterházi (ECHO, im Zusammenhang mit dem Víz (Wasser) Konzert)
2006. May 18.
| Dirigent: Dániel Somogyi-Tóth |
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Auftretende Gastkünstler: Lilla Polyák-Zsolt Homonnay |
| Dirigent: Tamás Vásáry |
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Auftretende Gastkünstler: Zsuzsa Bazsinka - Sopran Savaria Sinfonieorchester |
| Dirigent: András Vass |
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Auftretende Gastkünstler: Eszter Wierdl - Sopran Ákos Ács - Klarinette |
| Dirigent: Paweł Przytocki |
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Auftretende Gastkünstler: Martin Michael Kofler - Flöte |
| Dirigent: Paweł Przytocki |
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Auftretende Gastkünstler: Martin Michael Kofler - Flöte |